Entschuldigung: Sie sind?

clemens , Mo., 05.06.2017 - 00:29 Uhr

Vor einiger Zeit bin ich auf eine Frau namens Maxine Bacanji gestoßen. Sie war in einem Video zu sehen. Inhaltlich ging es um einen Vortrag beim CCC über das Netzwerkdurchsetzungsgesetz.

Der Beitrag ist nicht sonderlich berauschend. Daher wollte ich wissen wer diese Frau überhaupt ist. Vielleicht finde ich ja etwas Interessantes oder Wissenswertes. Nach kurzer Recherche findet man bereits einige Informationen über Frau Bacanji. Sie ist gemäß eigenen Aussagen Journalistin und Studentin. Zudem sei sie eine Referentin für die Amadeu Antonio Stiftung. Sie besitzt ein Twitter-Konto: @LottaMiller. Das Twitter-Konto war eine gewisse Zeit lang nicht mehr öffentlich. Mittlerweile ist es das Benutzerkonto wieder. Frau Bacanji hatte beispielsweise getwittert:

Männer lasst das Glotzen sein, werft euch Zyankali ein!

(Quelle: Tweet von @LottaMiller, vom 22. März 2017, 11:51 Uhr, https://twitter.com/LottaMiller/status/844622664106958849)

nach diesem Tweet fragte ich die Amadeu Antonio Stiftung an. Was bekomme ich als Antwort? Dies:

Frau Bacanji ist nicht als freie Referentin für die Amadeu Antonio Stiftung tätig. Die zitierten Äußerungen hat Frau Bacanji nicht für die Amadeu Antonio Stiftung getätigt und sie entsprechen nicht der Position der Stiftung.

(Quelle: Pressesprecher, Amadeu Antonio Stiftung)

Frau Bacanji ist nicht als freie Referentin für die Amadeu Antonio Stiftung tätig. Nun könnte es sein, dass sie nur keine freie Referentin für die Amadeu Antonio Stiftung ist. Das ist eines der Probleme von sehr genauen oder übergenauen Dementis: Man wird möglicherweise als Anfragender dadurch absichtlich in die Irre geführt. Am Ende muss die Gegenseite nicht zugeben, dass man gelogen hat. Es sei dann ja schlicht ein Fehler oder Missverständnis unterlaufen. Was nun stimmte wusste ich nicht. Ich fand es jedenfalls merkwürdig. Also weiter-recherchieren!

Es finden sich diverse Quellen, in denen Frau Bacanji für die Amadeu Antonio Stiftung aufgeführt wird. So heißt es in einer Präsentation mit dem Titel Hate Speech – Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit in Zeiten von SocialMedia:

Fortbildung „Alles was Recht ist...“ – NDS. Landessozialamt
09.11.2016–Drochtersen-Hüll
-Maxine Bacanji für die Amadeu-Antonio-Stiftung

Frau Bacanji trat also ggü. dem niedersächsischen Landessozialamt als Vertreterin der Amadeu Amadeu Antonio-Stiftung auf. Ich habe dort nachgefragt: Frau Bacanji sei Referentin der Amadeu Antonio Stiftung. Nachdem mir weitere Quellen dies bestätigen frage ich erneut bei der Stiftung an. Diesmal auf Twitter direkt:

Was tut Frau Maxine Bacanji in Ihrer Stiftung? Seit wann ist Sie bei Ihnen tätig? Welche Aufgaben- und Themengebiete hat sie? @AmadeuAntonio

Der weitere Gesprächsverlauf wird sehr schnell skurril und unprofessionell:

Antwort Amadeu Antonio Stiftung (5. Mai, 13:09 Uhr):

Sherlock, Sie schreiben doch selbst dass unser Pressesprecher Ihnen darauf bereits geantwortet hat. So lange fragen bis die Antwort passt?!

Meine Antwort darauf (5. Mai, 13:53 Uhr):

Die Antwort war falsch/zu-explizit verneinend. Wieso hält Bacanji Fortbildung bei Niedersächsische Soziallandesamt im Namen Ihrer Stiftung?

Antwort der Stiftung (6. Mai, 00:05 Uhr):

Die Antwort war falsch, ok, alles klar :D < hier fehlend: eine lustige, animierte Grafik >

Weitere Antwort meinerseits (6. Mai, 01:39 Uhr):

Was ist Ihre Erklärung hierzu? Unter anderem hier wird sie explizit für Ihre Stiftung benannt: http://www.fobionline.jh.niedersachsen.de/anlage.php?urlMime=application%2Fpdf&urlID=150

(Quelle: https://twitter.com/ClemensPrill/status/860571381737631745, 5. Mai 2017, 12:06 Uhr sowie weiterer Verlauf)

Weitere Antworten oder Erklärungen der Amadeu Antonio Stiftung blieben auf Twitter aus. Frau Bacanji war über Twitter nicht für eine Stellungnahme zu erreichen, da sie mich auf freundliche Bitte um Stellungnahme leider blockiert hat. Die Frage ist nun: Wer ist Frau Bacanji und was tut sie wirklich? Arbeitet sie für die Stiftung und wenn ja, wieso will die Stiftung dies nicht zugeben oder gar verheimlichen? Für eine Stiftung, die sich gegen Hatespeech einsetzt, ist eine Referentin, die solche Aussagen tätigt, durchaus kritisch. Auch dürfe man mehr Transparenz von einer Stiftung erwarten. Ein Beigeschmack bleibt bei dieser Angelegenheit.