Hochschule Bremerhaven: Waghalsige Abgabe per E-Mail

clemens , So., 15.10.2017 - 12:19 Uhr

Die Hochschule Bremerhaven ist für ihre gute Informatik-Ausbildung in Norddeutschland bekannt. Sie ist aber auch für ihre technischen Probleme bei den Studierenden bekannt. Heute geht es um die Abgabe von Entwürfen und Ausarbeitungen per E-Mail:

Man könnte denken, dass das trivial sei. In der Praxis scheitert es an dieser Hochschule regelmäßig bei Abgaben aus dem Fachbereich 2. Wenn man E-Mails mit PDF-Dokumenten als Anhang verschickt, dann klappt es. Wenn man jedoch Informatik studiert, dann hat man nicht nur PDF-Dokumente, die man verschicken muss. Vielmehr treten dann gerne mal ZIP-, JSON-, SQL-, CSV- und ähnliche Formate auf. Dass ZIP-Dateien blockiert werden, kann man noch aus Sicherheitsgründen nachvollziehen. Schließlich könnten darin bösartige Dateien oder Exploits versteckt sein. Das gab es in der Vergangenheit schon. Die anderen Dateiendungen sind dafür harmlos. Problematisch wird nun, dass der E-Mail-Server der Hochschule oder dessen Web-Oberfläche scheinbar E-Mails nach gewissen Kriterien aussortieren. Eins davon ist scheinbar, welche Art von Anhängen bei der E-Mail beiliegen. All das wäre nur halb so schlimm, wenn man darüber informiert wird. Stattdessen erhält man keinerlei Feedback vom System: Die E-Mail wird nicht zugestellt und das war es dann. Ein automatisierter Hinweis darüber oder das Vorbringen von Gründen bleibt aus. Normalerweise erhält man von E-Mail-Servern eine entsprechende Rückantwort, warum eine E-Mail verworfen wird. Dann weiß der Absender der E-Mail, was los ist und kann es nochmal anders versuchen. Typische Beispiele sind, dass E-Mails aus Sicherheits- oder Spam-Gründen vom Ziel-Server abgelehnt werden.

Nun kommen wir zu dem Punkt, warum ich das für äußerst fragwürdig und fahrlässig halte: Es ist offenkundig bekannt und außerdem für den Informatik-Bereich üblich, dass die Abgaben per E-Mail erfolgen. Studierende schicken dem/der Dozenten/-in also die Abgabe, sei es nun ein Entwurf oder eine Ausarbeitung, per E-Mail zu und dann gilt die Empfangs-Uhrzeit der E-Mail als Abgabezeit. Demnach hat man dann die Frist für die Abgabe eingehalten oder man ist eben durchgefallen, weil man zu spät abgegebenen hat. Oder, weil die E-Mail nie ankam.

Eine Antwort der ZBRV zu meiner E-Mail zu dieser Abgabe-Problematik blieb aus.

Es ergeben sich folgende Fragen:

  • Was ist, wenn die Uhrzeit des E-Mail-Servers der Hochschule Bremerhaven falsch eingestellt ist?
  • Was ist, wenn der E-Mail-Server eine Abgabe einfach ohne jeglichen Hinweis verwirft?
  • Wer haftet dafür?

 

Die Hochschule schweigt Probleme lieber tot, als dass man sie angeht. Generell hat man den Eindruck, dass an der Hochschule häufig das Prinzip der Arbeitsvermeidung angewendet wird. So ist auch dies ein vermutlich seit Jahren bekanntes Problem. Die Hochschule sollte hoffen, dass diese Frage nie rechtlich geklärt werden muss. Ich könnte mir vorstellen, dass sie den Kürzeren zieht. Insgesamt wäre es wünschenswert, wenn es für die Studierenden eine rechtlich-sichere Abgabemöglichkeit gibt. Andere Hochschulen in Deutschland schaffen das schließlich! Das bereits bestehende E-Learning-Portal Elli würde sich hierfür sehr gut anbieten.